Der erste Marathon – der Grundstein für meinem ersten Ultra

von Katha Lütke

Das Jahr 2016, war mein Jahr zur Vorbereitung meines ersten Marathons. Dieser war am 9.Oktober 2016 in München geplant. Die Vorbereitungen liefen gut und ich konnte es kaum noch aushalten bis der Tag endlich kommt. Die Aufregung steigt, der Wunsch ins Ziel zu kommen war groß und wenn möglichst unter 4 Stunden. Schaffe ich das? Zweifel, Ängste und Freude mischten sich. Auf den Weg dorthin wurde ich von meinen Lieben Bergratzen – Freunden begleitet und motiviert. Zweifelte ich, bauten sie mich wieder auf. Meine HassTempoeinheiten wurden mit Ihnen gemeinsam zu schönen und unglaublichen Erlebnissen. Gemeinsam mit den Bergratzen schaffte ich es alles aus mir rauszuholen und meine Zweifel zu begraben.

Nach drei Monaten Training war es soweit. Der 9. Oktober 2016 war da. Endlich! Die Aufregung war groß. Wir Bergratzen fuhren zusammen mit der S-Bahn nach München rein. Die Stimmung war großartig. In meine Euphorie erwähnte ich dann so ein Satz wie „Schaffe ich heute meinen ersten Marathon und er fühlt sich auch noch gut an, dann werde ich den Supermarathon am Rennsteig laufen!“ War ich mir eigentlich bewusst, was ich da gesagt habe? Wusste ich, dass es da um 73,6 km geht? Wahrscheinlich nicht 🙂

Und dann ging es los – der Startschuss zu meinen ersten Marathon fiel. Und ich lief und lief und lief. Alles fühlte sich unglaublich an, wie ein Traum – Gedanken in meinem Kopf – laufe ich wirklich meinen ersten Marathon? Kann ich das schaffen? Schaffe ich das Tempo wirklich zu halten? Wann kommt der Hammer, von dem alle erzählen? Er kam zum Glück nie und ich schaffte es mein Tempo  zu halten. Die Sonne schien, die Stimmung war gut, die Menschen am Rand applaudierten und riefen meinen Namen. Die Aufregung und Euphorie stieg mit jedem Kilometer. Ich kam dem Ziel immer näher. Ab Kilometer 35 fingen die Beine an weh zu tun, aber ich wusste, ich schaffe es – unter 4 Stunden. Dann ging es ins Stadion, ich konnte kaum noch Atmen, weil mir die Tränen in die Augen schossen und plötzlich war ich da – im Ziel. Der erste Blick auf die Uhr – und ich konnte es nicht fassen – 3h 48min 35s. Ich habe es geschafft. Meine Freunde, die vor mir im Ziel waren, nahmen mich in Empfang und freuten sich mit mir. Mein erster Marathon – geschafft!

 

Tja, was soll ich sagen… wo alles begann. Der Gedanke den Rennsteig zu laufen lies mich danach nicht mehr los. Da bin ich gerade meinen ersten Marathon gelaufen und plötzlich gleich einen Ultra. Etwas verrückt klang das schon für mich muss ich zugeben. Ich holte mir Rat bei meinen Bergratzen. Naja, was hätte ich auch für eine Antwort von lauter Laufverrückten erwarten sollen? Ein Nein eher nicht. Sie waren begeistert. Glücklicherweise hat sich Stefan meiner Euphorie gleich angeschlossen und wir beschlossen den Rennsteig gemeinsam zu überwinden.

Ein Trainingsplan musste her – Markus Mallmann, auch bei den Bergratzen und ein Mann der besser weiß, was ich läuferisch in mir steckt, als ich es selber weiß, bastelte mir einen familienfreundlichen Trainingsplan. Und los ging es. November 2016 – die Tage wurden kurz und kalt, der Winter kam, aber nichts konnte mich aufhalten – bis die Schmerzen kamen. Im Knie. Nein nicht schon wieder. Dasselbe hatte ich schon im Jahr davor durch. Aber meine Motivation war groß. Schließlich stand im Februar 2017 mein zweiter Marathon bevor – Bad Füssing. Da konnte mich mein Knie auch nicht aufhalten – und ich lief eine neue Bestzeit 3h 46min. 

Doch dann kam es richtig – die Schmerzen wurden schlimmer. Mehr als 5km schaffte ich nicht mehr. Der Arzt musste her, MRT wurde gemacht- zum Glück nur eine Entzündung.

Aber die Schmerzen waren groß. Physiotherapie, Matrixtherapie, Blackroll, Dehnen und sogar Laufpausen – über Wochen, aber eine Besserung war kaum in Sicht. Die Euphorie schwand und mein erster Ultra fühlte sich nicht mehr machbar an. Ich versuchte mich zu beruhigen und mir zu sagen, dass es nicht schlimm sei. Nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr.

Aber innerlich litt ich. Ich war extrem traurig, aber ich konnte über fast 2 Monaten mein Training nicht mehr absolvieren. All die langen Läufe in der Vorbereitung musste ich streichen. Der Frust war groß. Nach einer Pause versuchte ich es wieder, in langsamen Schritten bis zum 6h-Lauf. Aber auch da stand fest, mehr als 3h oder 30km laufe ich nicht. Der lief gut und ich spürte keinen Schmerz. Die Hoffnung steigt. Dann war da ein ganz normaler Montagslauf mit meinen Freunden – langsame 10km standen auf dem Plan – der Schmerz wieder da. Ich habe geweint und gesagt, dass war es. Ich werde den Rennsteig nicht laufen. Extreme Traurigkeit und Enttäuschung waren in mir. Aber an diesem Tag, war für mich die Entscheidung klar. 

Aber so einfach wollte ich nicht aufgeben. Im nach hinein fühlt es sich so an, als ob ich in meinem Körper die Resettaste gedrückt habe. Ich wollte es noch einmal probieren und beschloss die Läufe alleine zu laufen -5km, 7, km, 10, km – 2 Wochen lang, nie mehr – und der Schmerz blieb weg. Ich wagte mich über 10km, 12km, 15km – keine Schmerzen. Der erste lange Lauf – 20km. Irgendjemand meint es gut mit mir. Dann wagte ich es – 30km, eine Woche später 40 km – ganz alleine. Nur ich und die Natur. Ich konnte spüren was mein Körper macht, das Tempo nur langsam. Und ich schaffe es – schmerzfrei. Ich sah wieder die Möglichkeit, die Hoffnung stieg wieder und Markus, mein Trainer, gab mir das letzte Vertrauen was ich brauchte, meinen ersten Trainings-Ultra laufen zu können – am 14.April 2017 galt es den Starnbergersee zu umrunden. Ich schaffte ihn. So unglaublich. Danach wusste ich, dem Rennsteig steht nichts mehr im Weg.

 

Und am 20.Mai 2017 erlebte ich mein wohl schönstes Lauferlebnis, gemeinsam mit Stefan. Ich fühlte mich bereit. Ich hatte keine Angst, aber Respekt – 73,6 km und 1800 HM galt es zu bewältigen. Der Lauf war perfekt, ich fühlte mich wohl und stark –körperlich und mental. Ich habe mich glücklich gefühlt, die Natur genossen, die Menschen um mich herum beobachtet. Aber ich war bei mir, den gesamten Lauf. Und plötzlich realisierte ich, wir haben schon 55km. Wann ist das passiert? Alles ging so schnell. Ich habe mir keine Gedanken über Tempo gemacht, nicht über eine Zielzeit. Unter 9h war irgendwann mal im Gespräch. Plötzlich erwähnte ein Läufer, dass wir gerade auf einer Zielzeit unter 8h zulaufen. Was machen wir? Das war doch überhaupt nicht unser Plan? Nicht mal in meinen Träumen habe ich darüber nachgedacht, dass das möglich sein könnte. Ich war fertig und die Schmerzen begannen. Die Oberschenkel taten weh. Aber ich kann unter 8h Laufen, dachte ich mir. Das kann doch nicht wahr sein. Und wir liefen, die Schmerzen immer größer, das Ziel immer näher. Noch einmal den Berg hoch und dann immer nur noch bergab Richtung Schmiedefeld. Kilometer 70 –„Stefan wir sind gleich da, wir schaffen es tatsächlich, 73,6 Kilometer, unter 8h, noch 30Minuten“ sprudelt es aus mir heraus. Und ich hatte Mühe meine Tränen zu unterdrücken. Zu begreifen, was da passiert, ist einfach unmöglich. Auf den letzten Kilometern gingen mir meine letzten Trainingswochen durch den Kopf. Dann hörten wir es, die Musik, die Menschen, den Jubel – da war er – der Zielbogen. Stefan und ich nahmen die Hände und liefen gemeinsam durchs Ziel –  7h 47min 33s. Geschafft und die Tränen dürfen nun endlich auch raus 🙂 

Kann man beschreiben, was da passiert, was man da fühlt? – nein, man muss es einfach selber erleben. Es lohnt sich!

Danke an meine Familie, die mir den Rücken freigehalten haben.

Danke an meine Bergratzen – ihr habt an mich geglaubt, mich motiviert und mit gelitten. Danke speziell an Markus M. – du wusstest genau, welcher Trainingsplan richtig für mich ist!!

Bis zum nächsten Ultra 😉

 

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